Schilddrüsenüberfunktion: Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung
Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.
Hier erfährst du, wie es zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommt und wie diese diagnostiziert wird. Außerdem zeigen wir dir, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und welche allgemeinen alltagsbezogenen Hinweise beachtet werden können.
1. Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?
Die Schilddrüse ist eine hormonbildende (endokrine) Drüse des Körpers. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Durch die verstärkte Hormonbildung laufen viele Körperfunktionen „auf Hochtouren”.
Die Schilddrüsenüberfunktion kommt bei ungefähr einer von 100 Personen und damit recht häufig vor. In der Regel beginnt die Erkrankung zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr.
2. Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion
Es gibt verschiedene Ursachen, die zur Entstehung einer Schilddrüsenüberfunktion führen können.
Basedow-Krankheit (Morbus Basedow)
Die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion ist die Basedow-Krankheit oder auch Morbus Basedow genannt. Diese entsteht durch eine Fehlfunktion des eigenen Immunsystems, welches Antikörper gegen die eigene Schilddrüse herstellt. Dies führt dann zu einem Wachstum der Schilddrüse und zu einer erhöhten Produktion der Schilddrüsenhormone.
In diesem Artikel erfährst du, wie du mit der Autoimmunkrankheit Morbus Basedow umgehen kannst.
Jetzt lesenSchilddrüsenautonomie
Auch eine sogenannte Schilddrüsenautonomie kann zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen. Normalerweise wird die Schilddrüse durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gesteuert. Bei einer Schilddrüsenautonomie reagieren die Schilddrüsenzellen jedoch nicht mehr auf die Signale der Hirnanhangsdrüse. Das kann zur Folge haben, dass viel mehr Schilddrüsenhormone gebildet werden als eigentlich nötig.
Manchmal kommen autonome Schilddrüsenzellen in der gesamten Drüse vor, manchmal nur im Gewebe eines oder mehrerer gutartiger Knoten. Man spricht bei so einem Knoten von einem autonomen Schilddrüsenadenom.
Schilddrüsentumore
Nur sehr selten sind bösartige Schilddrüsentumore der Grund für eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen.
3. Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion
Typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion treten bei Beginn der Krankheit häufig schleichend auf, teils aber auch sehr stark und abrupt.
Lange, bevor es oft überhaupt zu einer Untersuchung bei einem Arzt oder einer Ärztin kommt, häufen sich meistens die typischen Symptome:
- Erschöpfung und Kraftlosigkeit
- Gewichtsverlust
- Heißhunger und gesteigerter Durst
- Stimmungsschwankungen
- Nervosität und innere Unruhe
- Händezittern
- Schmerzen in den Oberschenkeln
- Schlafprobleme
- erhöhter Blutdruck
- Vermehrtes Schwitzen und feuchtwarme Haut
- Herzrhythmusstörungen
- Durchfall
- Zyklusveränderungen bei Frauen
- vergrößerte Schilddrüse
Viele schreiben die Symptome anfangs oft alltäglichen Gegebenheiten wie psychischem Stress, erhöhtem Koffeinkonsum, einem fordernden Lebensstil, einem Infekt oder anderen Faktoren zu. Meistens wird erst dann ärztlicher Rat gesucht, wenn die Symptome stärker werden, deutlich schwieriger zuzuordnen sind und sie anfangen, die Lebensqualität einzuschränken.
Durch die Erhöhung des Pulsschlags und den erhöhten Blutdruck können Herzrhythmusstörungen sowie weitere Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems mit einer Schilddrüsenüberfunktion einhergehen.
4. Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion
Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion ist es sinnvoll, dies bei einem Arzt bzw. einer Ärztin untersuchen zu lassen. Am besten gehst du dafür in eine internistische, nuklearmedizinische oder endokrinologische Praxis.
Tastuntersuchung
Bei einer Tastuntersuchung der Schilddrüse kann gefühlt werden, ob die Schilddrüse vergrößert ist oder Knoten enthält. Bei der gründlichen Untersuchung des restlichen Körpers können sich Hinweise auf bestimmte Ursachen ergeben – wie etwa hervortretende, geschwollene Augen bei der Basedow-Krankheit.
Eine orientierende Einteilung der Vergrößerung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgenommen:
- Grad 0: normal große Schilddrüse
- Grad I: tastbare, nicht sichtbare Vergrößerung
- Grad II: tastbare und sichtbare Schilddrüse
- Grad III: sehr große, nicht zu übersehende Schilddrüse
Blutuntersuchung
Folgende Werte im Blutserum werden auf Verdacht einer Schilddrüsenüberfunktion untersucht:
- TSH (basal): Thyroidea-stimulierendes Hormon – Signalhormone der Hypophyse zur Schilddrüse
- fT3: freies T3 – freie, ungebundene Form des Schilddrüsen-Hormons T3 (Trijodthyronin)
- fT4: freies T4 – freie, ungebundene Form des Schilddrüsen-Hormons T4 (Thyroxin)
- Thyreoidale Peroxidase Ak (TPO Ak): Antikörperwert der vom Immunsystem produzierten Schilddrüsenantikörper
Bei einer gesunden und gut arbeitenden Schilddrüse sollten die Werte in folgenden Bereichen liegen (Unterschiede in der Maßeinheit können Labor-abhängig abweichen):
- TSH: 0,4 bis 4,0 mU/l
- fT3: 2,0 – 4.4 pg/ml
- fT4: 0,8 -1,8 ng/dl
- Thyreoidale Peroxidase TPO Ak: < 34 IUL/ml
Ein erniedrigter TSH-Wert spricht für eine Schilddrüsenüberfunktion – allerdings nur, wenn gleichzeitig auch die Hormone T3 und T4 im Blut im oberen Normbereich liegen (Grenzwerthyperthyreose) oder erhöht sind (manifeste Hyperthyreose).
Man misst heutzutage die sogenannten freien Hormone fT3 und fT4. Normale TSH-Werte dagegen schließen eine Überfunktion in der Regel aus. Selbst bei Neugeborenen kann man bereits auf diesem Weg eine angeborene Fehlfunktion der Schilddrüse nachweisen, was heutzutage regelhaft beim sogenannten „Neugeborenen-Screening“ erfolgt.
Ultraschalluntersuchung
Per Ultraschalluntersuchung (Sonografie) lassen sich das Schilddrüsengewebe und möglicherweise vorhandene Knoten genauer beurteilen. Die Untersuchung ist strahlenfrei und kann daher beliebig oft angewendet werden. In liegender Position wird der Halsbereich mit dem Schallkopf untersucht. Das Ultraschallbild zeigt Lage, Form, Struktur und Größe der Schilddrüse.
Szintigrafie
Die Szintigrafie ist eine bildgebende Methode, mit welcher der Arzt bzw. die Ärztin die Funktionsfähigkeit von Teilen der Schilddrüse untersuchen kann. Hierbei wird radioaktive Strahlung eingesetzt. Da die Ergebnisse jedoch aussagekräftig sind, gehört die Szintigrafie zu den Standarduntersuchungen bei vorhandenen Schilddrüsenknoten. Mithilfe der Szintigrafie lässt sich erkennen, ob ein Knoten verstärkt Hormone bildet (sogenannter „heißer“ Knoten).
Radio-Jod-Test
Ein Radio-Jod-Test dient der Überprüfung der Jodspeicherung der Schilddrüse. Da hier die Strahlenbelastung relativ hoch ist, wird diese Methode nur noch zum Ermitteln der passenden Strahlendosis der Radio-Jod-Therapie genutzt.
Feinnadelpunktion
Bei dieser Methode wird durch eine dünne Hohlnadel eine winzige Zellprobe aus der Schilddrüse entnommen. Die Nadel wird mithilfe von Ultraschall an der gewünschten Stelle platziert. Mittels Unterdruck können einzelne Zellen herausgesaugt und zur Untersuchung in ein pathologisches Speziallabor gegeben werden.
5. Therapie der Schilddrüsenüberfunktion
Wird eine Hyperthyreose nicht behandelt, sind zunächst stark ausgeprägte Symptome die Folge. Langfristig kann eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion zu einer lebensbedrohlichen Schilddrüsenhormonvergiftung (Thyreotoxische Krise) führen.
Ziel der Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion ist es, die Überaktivität der Schilddrüse zu regulieren und so den Stoffwechsel wieder in einen geregelten Kreislauf zu bringen.
Mit einer rechtzeitig gestellten Diagnose und mit Beginn der Behandlung kann in vielen Fällen eine gute Stabilisierung erreicht werden. Dadurch bessert sich häufig auch das allgemeine Befinden.
Besteht die Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion, stehen, je nach Ausprägung und Ursache, mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Auswahl.
Medikamentöse Behandlung
Das erste Ziel der Behandlung ist die Senkung des Hormonspiegels und somit eine Regulierung des Stoffwechsels und der damit verbundenen Beschwerden.
Dafür werden in der Regel bestimmte Schilddrüsenpräparate (Thyreostatika) eingenommen. Thioharnstoffderivate (Thionamide), wie Carbimazol und Thiamazol, hemmen die Bildung von Schilddrüsen-Hormonen. Diese Wirkstoffe werden heute standardmäßig bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt und stellen die medikamentöse Behandlung der ersten Wahl dar.
Einige dieser Medikamente hemmen die Jodaufnahme in die Zellen der Schilddrüse und dadurch den Einbau von Jod bei der Hormonbildung. Andere reduzieren die Bildung von Schilddrüsen-Hormonen oder verringern die Ausschüttung der Hormone in das Blut. Die bereits im Körper befindlichen Hormone werden nicht beeinflusst.
Es kann eine gewisse Zeit dauern, bis der Hormonspiegel sinkt, da die Hormone erst im Körper abgebaut werden müssen.
Kommt es als Folge der Schilddrüsenüberfunktion zu Beschwerden seitens des Herz-Kreislauf-Systems wie z. B. zu hohem Pulsschlag oder erhöhtem Blutdruck, kann die zusätzliche Behandlung mit dämpfenden Medikamenten wie z. B. Beta-Blockern erforderlich sein.
Wichtig: Alle Medikamente wirken ausschließlich auf die Symptome. Die Ursache für die Überfunktion wird damit nicht behoben. Bei etwa 15 bis 20 Prozent der Behandlungen können zudem als Nebenwirkungen Fieber, Hautrötungen, Gelenkbeschwerden, Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden und Geschmacksverlust auftreten.
Auch allgemeine Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Schlaf und Stressbelastung können im Alltag eine Rolle spielen. Sie ersetzen jedoch keine ärztlich abgestimmte Behandlung.
Radiojodtherapie und Operation
Bei der definitiven Therapie wird das Gewebe entfernt, das krankhaft zu viel Schilddrüsenhormon produziert (z. B. durch eine Radiojodtherapie oder eine Schilddrüsenoperation). Beide Verfahren haben spezielle Vor- und Nachteile, die im Einzelfall gegeneinander abgewogen und mit dem Patienten bzw. der Patientin besprochen werden müssen.
Prognose einer Schilddrüsenüberfunktion
Dank moderner Behandlungsmöglichkeiten ist bei einer erkannten und behandelten Schilddrüsenüberfunktion in vielen Fällen ein gut strukturierter Alltag möglich. Besonders dann, wenn die Überfunktion früh erkannt wird, bestehen oft gute Chancen auf eine stabile Einstellung ohne operativen Eingriff.
Doch auch mit einem operativen Eingriff oder gar der kompletten Entfernung der Schilddrüse kann in jedem Alter und jeder Lebenslage eine deutliche Entlastung erreicht werden.
Wie schnell und in welchem Ausmaß eine langfristige Stabilisierung erzielt werden kann, ist ganz individuell. Dies ist natürlich auch von einer bestehenden Vergrößerung der Schilddrüse oder bestehenden Knoten und einer daraus resultierenden OP abhängig. Natürlich spielen auch Einflussfaktoren wie Alter, anderweitige Erkrankungen und auch äußerliche Einflussfaktoren wie Stress oder Umweltbelastungen eine Rolle.
6. Tipps bei einer Schilddrüsenüberfunktion
Neben den medizinischen Therapiemaßnahmen gibt es einige Dinge, die du bei einer Schilddrüsenüberfunktion im Alltag beachten kannst. Für viele davon sind nur kleine Änderungen in deinem Lebensstil notwendig.
Die richtige Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung kann im Alltag dabei helfen, regelmäßige Mahlzeiten und eine gut planbare Versorgung zu unterstützen.
Diese Lebensmittel sind bei einer Schilddrüsenüberfunktion empfehlenswert:
- Gemüse
- Eiweiß
- Komplexe Kohlenhydrate (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte)
- Zuckerarmes Obst
- Wasser und ungesüßter Tee
Diese Lebensmittel sind bei einer Schilddrüsenüberfunktion nicht empfehlenswert:
- Glutenhaltige Produkte
- Sojaprodukte
- Jodhaltige Speisen, Salz und Mineralwasser
- Seefisch, Meeresfrüchte, Algen
- Zucker
- Stark verarbeitete Lebensmittel mit vielen Zusatzstoffen
- Koffeinhaltige Getränke
- Alkohol
Wichtig: Bei einer Schilddrüsenüberfunktion, einem Morbus Basedow oder heißen Knoten solltest du eine übermäßige Jodzufuhr vermeiden. Jod könnte die übermäßige Hormonproduktion der Schilddrüse noch verstärken.
Empfohlene Nahrungsergänzungsmittel
Die Basis deiner Ernährung sollten frische Lebensmittel sein. Ob einzelne Ergänzungen sinnvoll sind, sollte bei einer Schilddrüsenüberfunktion immer individuell ärztlich abgeklärt werden.
Die im Zusammenhang mit Schilddrüse und allgemeinen Körperfunktionen häufig diskutierten Nährstoffe werden auch in Studien und weiteren Studien beschrieben. Für die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion ersetzt das jedoch keine medizinische Diagnostik und keine ärztlich abgestimmte Therapie.
Sport, Bewegung und Entspannung
Der Stoffwechsel bei einer Schilddrüsenüberfunktion ist ohnehin schon erhöht und auch der Muskelaufbau gestaltet sich eher schwierig. Lege daher den Schwerpunkt auf Krafttraining, Beweglichkeit und Entspannung und kombiniere dazu eine passende Ernährung. Um effektiv Muskeln aufbauen zu können, empfiehlt sich ein entsprechendes Ganzkörperkrafttraining, bestenfalls mit Gewichten, für zu Hause oder an Maschinen im Fitnessstudio.
Um deinen Spiegel des Stresshormons Cortisol auf einem niedrigen Level zu halten, solltest du immer ausreichende Ruhepausen einplanen. Ideal geeignet sind kurze Atemübungen oder Übungen zur Muskelentspannung. Nimm dir aber gerne auch öfter die Zeit, dich mit einer Tasse Tee auf deinen Lieblingsplatz zu setzen und einfach mal nichts zu tun, einige Seiten in einem Buch zu lesen, ein Hörbuch zu hören oder dir ein Bad zu gönnen.
7. Unser Fazit zum Thema Schilddrüsenüberfunktion
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Infolgedessen kann es zu Beschwerden wie Hitzewallungen, erhöhtem Blutdruck und Nervosität kommen. Auch eine Vergrößerung der Schilddrüse infolge von Knotenbildung kann mit einer Schilddrüsenüberfunktion verbunden sein.
Zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion stehen Medikamente zur Senkung der Schilddrüsenhormonspiegel zur Verfügung. Bei starken Beschwerden kann auch eine Therapie mit radioaktivem Jod oder eine operative Entfernung der Schilddrüse in Betracht gezogen werden.
Darüber hinaus können im Alltag eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung sowie ein guter Umgang mit Stress hilfreich sein. Entscheidend bleiben eine ärztliche Abklärung, eine passende Diagnostik und eine individuell abgestimmte Behandlung.